Pissaladière, Rosé und „Swimming pool“: J’adoooore!

Dieser Blogpost ließ wirklich auf sich warten und wurde stets vom lieben Alltag sabotiert. Heute aber gewinne ich und sitze hier nun, um euch zu erzählen, wie ich meinen Sonntag abend verbracht habe.

Ich hole kurz etwas weiter aus: eine überaus anstrengende Woche liegt hinter mir. Jeder Abend endete damit, dass ich mich wie eine abgekämpfte Kriegerin gegen 21 Uhr auf die Couch fallen ließ und mir dachte: „Ich brauch‘ jetzt ein Bier“. Momente später schlief ich dann schon ein und wachte beim Weinen meiner Tochter gegen 2 Uhr wieder auf. Keine Zeit für Gesichtsmasken, bunt lackierte Nägel, Haarkuren, Skype-Sessions mit Freundinnen, ein gutes Buch. Nichts. Nada.

Ich hetzte von Erledigung zu Erledigung und scheiterte kläglich an meinen ambitionierten Multi-Tasking-Versuchen. Ich naives Geschöpf dachte doch tatsächlich, dass das Leben mit einem dreizehnmonatigen Kind einfacher werden würde, was es in gewisser Weise auch tut, aber es ist gleichzeitig auch verdammt anstrengend, da man ständig hinter Maramaus herrennt und aufpassen muss, dass sie a) keinen Blödsinn verzapft oder b) sich weh tut. Ihre Erkundungsgänge haben enorm zugenommen und mir fehlt wichtige Zeit, in der ich bisher viel erledigen konnte. Es ist ein wunderschönes, bewegungsreiches und stark ermüdendes Chaos. Da die kommenden Tage jobmäßig wieder einiges von mir abverlangen werden, schaufelte ich mir am Sonntag dann aber drei Stunden frei, in denen ich meine Form von Alltagseskapismus ausleben konnte und mir Kraft fürs Mamasein/Job und Alltag bewältigen holte.

Es gibt viele Formen, wie ich mich in mein Glücks-Paralleluniversum schieße, gestern war es ein köstliches Essen, ein köstlicher, klirrend kalter Roséwein und ein großartig dazupassender Film. Genauer formuliert: Es gab eine provenzalische Pissaladière, einen Zweigelt-Rosé und Francois Ozons‘ „Swimming Pool“.

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Diese Kombination ließ mich wirklich ALLES vergessen und ich saß genüsslich schnabulierend auf meiner Couch und sah einen meiner Lieblingsfilme. Die Pissaladiere ist einer meiner erklärten Favourites und an Sommerabenden einfach perfekt dafür, wenn man Freunde eingeladen hat oder einfach selber am Balkon den Tag würdig ausklingen lassen möchte. Die weichen, leicht süßlich gedünsteten Zwiebeln mit Knoblauch und Thymian, der knusprige Teig sind so eine Offenbarung und wenn man dann noch auf den salzigen Kontrast in Form von Oliven und Sardellen beißt, ist man definitiv im siebten Feinschmeckerhimmel angekommen. Ein kaltes Glas Rosé runden die Vollkommenheit dann schließlich ab.

Pissaladière

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Nachdem ich mir dieses köstliche Festmahl auf dem Couchtisch aufgebaut und mich in die perfekte Chill-Position gebracht hatte, drückte ich auf „Play“ und sah zum wahrscheinlich 500sten Mal „Swimming Pool“. Wer den Film noch nicht gesehen hat, dem sei er hiermit wärmstens empfohlen. Sowie grundsätzlich alles, was Monsieur Ozon bereits gemacht hat. „Swimming Pool“ ist mysteriös, sexy und im wunderschönen Luberon angesiedelt. Herz, was willst du mehr. Ich könnte euch noch Unmengen über diesen Film erzählen, aber ich höre schon Stimmen die mir zurufen: „Christine, jetzt gib‘ mir endlich das Rezept!“ Et voilà, mesdames et mesieurs:

Zutaten für den Teig:
– 350g Mehl
– 1/2 Würfel Hefe
– 2 EL Olivenöl
Zutaten für den Belag:
– 1,2 kg Zwiebeln und 2 Knoblauchzehen
– 5 Zweige Thymian
– Olivenöl, Salz, Pfeffer
– ca. 15 Sardellenfilets und eine handvoll schwarzer Oliven

Zubereitung:
Für den Teig Mehl in eine Schüssel geben. Hefe mit warmen Wasser verrühren. Hefe mit Salz und Olivenöl zum Mehl geben und zu einem glatten Teig verkneten. Den Teig in der Schüssel zugedeckt an einem warmen Ort ca. 1 Stunde gehen lassen.

Zwiebel in Streifen schneiden, Knoblauch fein hacken. Zwiebel und Knoblauch in einer Pfanne weich dünsten, bis sie weich sind. Dauert etwa 20 Minuten. Mit Salz, Pfeffer würzen, Thymian zugeben.

Backofen auf 220°C vorheizen. Ein Backblech fetten. Teig kneten, ausrollen und aufs Blech legen. Rundherum einen Rand formen. Zwiebelmischung auf dem Teig verteilen. Sardellenfilets und Oliven darauf verteilen.

Im heißen Ofen etwa 20 Minuten knusprig backen.

Zucchini-Walnussmuffins mit Schokoglasur

Aufgepasst! Dieses Rezept ist das kleine Schwarze der Muffinrezepte. Ich war schon lange auf der Suche nach einem Rezept, das mich umhaut und letzte Woche, an einem unaufgeregten Dienstagnachmittag stieß ich auf Gold! Ich hatte vor, meine Unmengen an Zucchini in einen süßen, kleinen, fluffigen Muffin zu verpacken und rechnete wieder mit einem 0/8/15-Törtchen, aber ich hatte mich ordentlich getäuscht. Ordentlich. Ich biss eine halbe Stunde später in einen der besten Muffins, die ich je fabriziert habe. Ein historischer Moment. Und nun bin ich total süchtig nach diesen kleinen Dingern!

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Süüüüüchtig!

Wann immer ich Zeit habe, backe ich schnell ein Blech, friere sie ein, überrasche meine Lieblingsmenschen damit oder ich egoistischer Mensch verdrücke sie heimlich bei einem guten Buch und einer großen Schale Kaffee ganz alleine. Das ist pure Glückseligkeit. Hier nun also das herrlich unaufgeregte Rezept mit herrlich unaufgeregten Zutaten, die für maximalen Genuss sorgen. Ladies and Gentleman: Zucchini-Walnussmuffins mit Schokoglasur!

Die herrlich unaufgeregten Zutaten

Die herrlich unaufgeregten Zutaten

Zutaten:
2 Eier
125 g Rohrzucker
125 ml Öl
125 g geriebene Walnüsse
125 g geriebene Zucchini
125 g Mehl
2 TL Backpulver
1/2 TL Natron
Schokoglasur

Zubereitung:

Eier und Zucker mit dem Mixer schaumig rühren. Öl hinzufügen. Die restlichen Zutaten untermischen. In die Förmchen füllen und bei 200°C etwa  20 Minuten backen.

Aus dem Ofen nehmen, auskühlen lassen. In Schokoglasur tauchen und nach Fantasie und Laune verzieren.

Ein Teller Glückseligkeit

Ein Teller Glückseligkeit

Wieder auftauchen…

Meine Hände sind eingecremt und der wohlige Duft von Zitronenverbene verbreitet sich verlässlich und unaufdringlich über der Tastatur und steigt zu meiner Nase hoch. Mmmmmhh. Die Lampe leistet mir gedimmt Gesellschaft und ich sitze hier, um 21:30, vor dem Bildschirm, in meiner kleinen Homeoffice-Nische, wo ich mein Leben am Abend wieder ordnen, aufzeichnen und organisieren will. Und ganz nebenbei hin und wieder in den Tiefen der Netflix-Welt versinken werde. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass all diese Aktivitäten wieder möglich sind. Was geschah?

Das erste Jahr liegt hinter mir. Basecamp 1 sozusagen erfolgreich erreicht. Vor knapp einem Jahr wurde ich zum ersten Mal Mama von einem ziemlich hinreißenden und entzückenden Töchterlein. Die ersten drei Monate waren unglaublich hart. Zum einen war Maralein von Koliken geplagt und nur zufrieden, wenn sie eng an mich geschmiegt im Tragetuch kuschelte und ich stundenlang mit ihr spazieren ging – sie schlief fast ausschließlich nur bei Spaziergängen im Freien und wollte dauergestillt werden. Ein echtes High-Maintenance-Baby. Ich war noch geschwächt von der Geburt und total fertig. Ich war mit meinem Körper nicht mehr eins, irgendwie war der nur fürs Baby da und es fühlte sich an, als würde er mir nicht mehr gehören, wir waren total entkoppelt voneinander. Und ich sah nicht wie ich selbst aus. Müde, blass, fertig und obwohl ich eine tolle Figur hatte und mein Gewicht sofort wieder runterging, fühlte ich mich unglaublich unattraktiv. Die Milch floss auch, wenn sie nicht gebraucht wurde und ich hatte an der Käse- oder Brottheke immer panische Angst, dass mein T-Shirt plötzlich unbemerkt in Milch ertränkt wurde. Nächtelang googelte ich obsessiv zu Themen oder Schlagwörtern wie „Grüner Babystuhl“, „warum weint mein Baby“, „Cluster-Stillen“, „Bauchkoliken was tun“ und „Milchstau“. Der Milchstau war dann auch mein absoluter Tiefpunkt, als ich weinend, mit Fieber und schmerzender Brust auf der Couch lag und mir dachte „So eine Scheiße, wieso hat mich niemand auf all das vorbereitet!“.

Kurzum: es war ein anstrengendes, irritierendes erstes Jahr, vor allem auch deshalb, weil ich nach 5 Monaten wieder zu arbeiten (20h) begann. Dann noch die vielen „schlauen“ Ratschläge von Mitmenschen (die alle total unbrauchbar und grausam waren) und das ständige beurteilt werden von anderen. Da muss man echt entspannen und ausblenden. Das hab‘ ich zumindest gelernt und ich bin jetzt richtig gut im Entspannen. Wenn das Chaos über mich hereinzubrechen droht, dann werde ich zuerst mal ganz ruhig und atme tief durch. Natürlich – selbstverständlich! – gab es aber auch extrem viele viele viele lustige, berührende und magische Momente. Stolze Momente. Viele Mutter-Tochter-Selfie-Momente. Brei-Explosion am Mittagstisch, ausgelassene Plansch-Aktivitäten, Fangenspielen mit überschäumenden Gelächter, endloses Versteckspielen, andächtiges Beobachten der sich fleißig drehenden Trocknertrommel und enges, ganz enges  Aneinanderschmiegen und miteinander einschlafen. Manchmal hätte ich und manchmal habe ich auch geweint vor Glück und Ergriffenheit.

Und jetzt ist sie plötzlich so groß und selbstständig. Liebt es, bei Oma und Opa zu sein und genießt ihre Entdeckungen und ihre Unabhängigkeit. Und somit habe auch ich wieder Zeit für MEINE Entdeckungen und MEINE Unabhängigkeit. Es ist ganz großartig. Ich bin total außer mir, wenn ich alleine einkaufen gehen kann, mich mit einer Freundin auf ein Eis treffe oder eben am Abend drei Folgen von „American Horror Story“ – hintereinander!!! – schauen kann. Man ist plötzlich so dankbar für diese kostbaren Zeitfenster, man lebt diese Momente soviel intensiver.

Und ich genieße es total – jetzt gerade, in genau DIESEM Moment – hier zu sitzen und mir all das von der Seele zu schreiben. Ich würde so wahnsinnig gerne von euch hören und würde mich so gerne austauschen – manchmal fühle ich mich doch ein wenig isoliert, da durch die Arbeit oft wenig Zeit für gesellschaftliche Zusammenkünfte bleibt. Ich werde nun also wieder voll loslegen weil ich fühle, dass das Leben wieder so halbwegs normal weiterlaufen kann, ja wird: Sport, Lesen, Blog schreiben, Kochen, Basteln und viel raus in die Natur zu meinen Kraftorten gehen. So will ich mein Leben ab jetzt wieder kräftig anreichern! YAY! Ich strecke hiermit also neugierig meine Fühler aus…

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