Wieder auftauchen…

Meine Hände sind eingecremt und der wohlige Duft von Zitronenverbene verbreitet sich verlässlich und unaufdringlich über der Tastatur und steigt zu meiner Nase hoch. Mmmmmhh. Die Lampe leistet mir gedimmt Gesellschaft und ich sitze hier, um 21:30, vor dem Bildschirm, in meiner kleinen Homeoffice-Nische, wo ich mein Leben am Abend wieder ordnen, aufzeichnen und organisieren will. Und ganz nebenbei hin und wieder in den Tiefen der Netflix-Welt versinken werde. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass all diese Aktivitäten wieder möglich sind. Was geschah?

Das erste Jahr liegt hinter mir. Basecamp 1 sozusagen erfolgreich erreicht. Vor knapp einem Jahr wurde ich zum ersten Mal Mama von einem ziemlich hinreißenden und entzückenden Töchterlein. Die ersten drei Monate waren unglaublich hart. Zum einen war Maralein von Koliken geplagt und nur zufrieden, wenn sie eng an mich geschmiegt im Tragetuch kuschelte und ich stundenlang mit ihr spazieren ging – sie schlief fast ausschließlich nur bei Spaziergängen im Freien und wollte dauergestillt werden. Ein echtes High-Maintenance-Baby. Ich war noch geschwächt von der Geburt und total fertig. Ich war mit meinem Körper nicht mehr eins, irgendwie war der nur fürs Baby da und es fühlte sich an, als würde er mir nicht mehr gehören, wir waren total entkoppelt voneinander. Und ich sah nicht wie ich selbst aus. Müde, blass, fertig und obwohl ich eine tolle Figur hatte und mein Gewicht sofort wieder runterging, fühlte ich mich unglaublich unattraktiv. Die Milch floss auch, wenn sie nicht gebraucht wurde und ich hatte an der Käse- oder Brottheke immer panische Angst, dass mein T-Shirt plötzlich unbemerkt in Milch ertränkt wurde. Nächtelang googelte ich obsessiv zu Themen oder Schlagwörtern wie „Grüner Babystuhl“, „warum weint mein Baby“, „Cluster-Stillen“, „Bauchkoliken was tun“ und „Milchstau“. Der Milchstau war dann auch mein absoluter Tiefpunkt, als ich weinend, mit Fieber und schmerzender Brust auf der Couch lag und mir dachte „So eine Scheiße, wieso hat mich niemand auf all das vorbereitet!“.

Kurzum: es war ein anstrengendes, irritierendes erstes Jahr, vor allem auch deshalb, weil ich nach 5 Monaten wieder zu arbeiten (20h) begann. Dann noch die vielen „schlauen“ Ratschläge von Mitmenschen (die alle total unbrauchbar und grausam waren) und das ständige beurteilt werden von anderen. Da muss man echt entspannen und ausblenden. Das hab‘ ich zumindest gelernt und ich bin jetzt richtig gut im Entspannen. Wenn das Chaos über mich hereinzubrechen droht, dann werde ich zuerst mal ganz ruhig und atme tief durch. Natürlich – selbstverständlich! – gab es aber auch extrem viele viele viele lustige, berührende und magische Momente. Stolze Momente. Viele Mutter-Tochter-Selfie-Momente. Brei-Explosion am Mittagstisch, ausgelassene Plansch-Aktivitäten, Fangenspielen mit überschäumenden Gelächter, endloses Versteckspielen, andächtiges Beobachten der sich fleißig drehenden Trocknertrommel und enges, ganz enges  Aneinanderschmiegen und miteinander einschlafen. Manchmal hätte ich und manchmal habe ich auch geweint vor Glück und Ergriffenheit.

Und jetzt ist sie plötzlich so groß und selbstständig. Liebt es, bei Oma und Opa zu sein und genießt ihre Entdeckungen und ihre Unabhängigkeit. Und somit habe auch ich wieder Zeit für MEINE Entdeckungen und MEINE Unabhängigkeit. Es ist ganz großartig. Ich bin total außer mir, wenn ich alleine einkaufen gehen kann, mich mit einer Freundin auf ein Eis treffe oder eben am Abend drei Folgen von „American Horror Story“ – hintereinander!!! – schauen kann. Man ist plötzlich so dankbar für diese kostbaren Zeitfenster, man lebt diese Momente soviel intensiver.

Und ich genieße es total – jetzt gerade, in genau DIESEM Moment – hier zu sitzen und mir all das von der Seele zu schreiben. Ich würde so wahnsinnig gerne von euch hören und würde mich so gerne austauschen – manchmal fühle ich mich doch ein wenig isoliert, da durch die Arbeit oft wenig Zeit für gesellschaftliche Zusammenkünfte bleibt. Ich werde nun also wieder voll loslegen weil ich fühle, dass das Leben wieder so halbwegs normal weiterlaufen kann, ja wird: Sport, Lesen, Blog schreiben, Kochen, Basteln und viel raus in die Natur zu meinen Kraftorten gehen. So will ich mein Leben ab jetzt wieder kräftig anreichern! YAY! Ich strecke hiermit also neugierig meine Fühler aus…

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