Meine Tage als Zombie (inklusive Rezept!)

Würde ich beim nächsten Casting von George A. Romero vorstellig werden und meine Performance abliefern, er würde mich vom Fleck weg für die Hauptrolle engagieren. Oh jaaaaa. In den letzten Tagen wandelte ich wirklich wie ein Zombie durch den Tag und vor allem durch die Nacht, ich spürte, nein ich WAR ein Zombie! Es war so unglaublich. Ich versuche natürlich jeden Morgen, meine Transformation zu verstecken, indem ich mich schminkte und besonderen Wert auf Concealer (weg mit den dunkel triefenden Augenringen) und Rouge (her mit den gsunden, frischen Tiroler Landluftwangen!) legte. Mein Espressokocher lief ständig auf Hochtouren, um mich in vertikaler Lage stabilisiert zu halten. Ich konnte so manchen Gesprächen beim besten Willen nicht mehr folgen, nahm nur noch Wortfetzen wahr, vermied es tunlichst, Kontakt mit Sitz- oder Liegeflächen zu haben, da ich sonst dem Sekundenschlaf zum Opfer gefallen wäre. Ich nutzte sogar zweimal die pädagogisch sehr fragwürdige Maßnahme (ja, liebe Mütter vom Babyschwimmkurs, geißelt mich!) und setzte meine kleine Tochter mit Dinkelkeksen (immerhin!) vor den Fernseher, damit ich wenigstens 15 Minuten durchatmen konnte.

Was war passiert? Das fragen sich jetzt sicher viele. Es ist so: immer, wenn man vor Leuten prahlt, wie toll sich alles eingespielt hat bei der Kleinen und wie reibungslos alles funktioniert, wird sofort ein Schalter umgelegt und der Sturm bricht über einen herein. In unserem Fall waren das die Zähne. Die haben meiner Tochter ein paar wirklich qualvolle Tage beschert. Sie wollte ständig von mir getragen werden, weil sie sich so unwohl fühlte, nörgelte klarerweise viel und war sehr „emotional“, wenn etwas nicht nach ihrem Willen lief.

Ich war dem Gehörsturz nahe, da sie dann wie am Spieß schrie, sogar in der Teppichabteilung vom Möbelhaus. Das war ihr ziemlich egal, aber es war schon eine miese Tour von mir, dass ich sie weg von den Fertiggardinen weiter in die Teppichabteilung schleppen wollte. Das üblicherweise problemlose Einschlafen am Abend wurde zu einem riesen Theater und auch die Nächte waren extrem unruhig und weinerlich. Ich stand irgendwann mit meiner Beanie (chronischer bad-hair-day), meinem Oversize-Pulli, der eigentlich dringendst in die Waschmaschine musste und meinen löchrigen Jeans vor einem Supermarktregal und legte 4 Dosen Gulaschsuppe sowie 2 Dosen Ravioli in den Einkaufswagen. Und ich greife nur im Äußersten Notfall zu Fertigprodukten, es war also schon schlecht um mich bestellt, aber ich dachte mir grießgrämig „Scheiß drauf ich will einen vollen Magen“.

Nun gut. Meine Freundin meinte letztens, Mama zu sein wäre ein psychische und physische Grenzerfahrung. Total. Been there. Ich habe echt alles gegeben, meiner Tochter diesen Wachstums- und Zahnschub so angenehm wie möglich zu machen und war bedingungslos für sie da. Heute wachte sie dann am Morgen auf und was soll ich sagen, der Sturm hatte sich gelegt, alles war wieder eitle Wonne. Wir haben einen wunderbaren Tag am Markt, am Spielplatz, beim Legobauen und Fangenspielen verbracht. Es war ein ganz arg kitschiger Familienglück-Tag. Schön langsam kehrt auch wieder Farbe und Leben zurück in mein Gesicht und ich sitze jetzt triumphierend auf der Couch und freue mich.

Da jetzt einige Zeit  kulinarische Einöde bei mir herrschte, wollte ich heute Abend ein farbenfrohes und köstliches Essen zaubern und es ist etwas seltsames, also etwas seltsam Gutes dabei rausgekommen. Und zwar gebackene Süßkartoffel belegt mit einem Rotkraut-Granatapfel-Fetasalat. Eine wahre Farbexplosion am Teller und auch auf der Zunge. Ganz ganz wunderbar. Diese wohlig weichen Süßkartoffel sind ein Seelenschmeichler und der knackig fruchtige Salat mit einer leichten Fetanote raubt einem den Verstand. Außerdem ist die Zubereitung superunkompliziert – Fazit: ein herrlich belebendes Abendessen. Ich gieße mir jetzt noch ein (oder vier) Gläser Roséwein ein und lasse das Essen und den feinen Tag in mir nachhallen.

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Knusprig gebacken Süßkartoffeln mit Rotkraut-Granatapfel-Fetasalat (für 2 Personen)

  • 3 mittelgroße Süßkartoffel in 3 cm dicke Ringe geschnitten
  • 2 Handvoll Rotkraut fein geschnitten
  • Kerne von einem halben Granatapfel
  • 1 Handvoll Fetakäse in Würfel geschnitten

Backrohr auf 200°C vorheizen. Rotkraut fein schneiden. Granatapfelkerne auslösen und Feta würfelig schneiden. Alles mit Salz und Pfeffer würzen und mit Essig und Olivenöl anmachen.

Süßkartoffel schälen und in dicke Ringe schneiden. In eine mit Olivenöl gestrichene Auflaufform setzen und im Rohr backen bis sie weich sind. Dauert ca. eine halbe Stunde. Aus dem Backrohr nehmen, auf ein Teller platzieren und die Rotkrautmischung drübergeben.

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