Die Mamas und die Kritik

Als ich schwanger war, dachte ich, ich könnte mich auf alles vorbereiten. Ich habe mir Fachliteratur zu allen möglichen Babythemen besorgt, diese gelesen, mich bei Freundinnen umgehört, was es an Tipps so zu erfahren gibt. Ich dachte ich wäre vorbereitet und fühlte mich sehr souverän.

Vor einem ganz bestimmtes Thema hat mich allerdings niemand gewarnt: die Kritik an einer Mama. Mir war nicht bewusst, dass, sobald mein Baby da war, ich ins Schussfeld jeglicher Kritik kam, ich plötzlich (so fühlte es sich an) Allgemeingut war und Thema für alle Menschen um mich herum. Ich als Projektionsfläche aller Mütter und Nichtmütter herhalten musste. Und ich die unmöglichsten „Tipps“ und Kommentare an den Kopf geschmissen bekam. Total unreflektierte, unsensible, nicht hilfreiche Ratschläge.

An alle Besserwisser da draußen: Antwortet nie ungefragt mit eurer Meinung. Nie.

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Ich hatte immer schon Probleme, mit Kritik umzugehen und ortete mich da ihrgendwo im Mittelfeld an, was die Kritiksensibilität betraf. Als Mama bin ich jedoch extrem empfindlich. Ich lasse mir das alles sehr zu Herzen gehen. Seltsam, kommt diese Kritik von Leuten, auf deren Meinung ich eh wenig Wert lege. Aber trotzdem. Es ist einfach eine Frechheit, Mamas grundsätzlich zu kritisieren. Wir reißen uns den Allerwertesten auf für unsere kleinen Kiddies, für unsere Familie, für uns selbst. Es ist so ein Gewaltakt an Selbstlosigkeit, das Mamasein. Wir stecken so extrem zurück. Wir tragen ein Baby aus, das in uns auf wundersamste Weise heranwächst, unsere Körper müssen dabei oft einiges aushalten. Dann die Geburt. Nur arg. Und dann: schlaflose Nächte, Milchstau, chaotischer Haushalt, ständig vom Essen aufspringen müssen, zehn Dinge gleichzeitig erledigen und dann: besonnen lächeln, wenn der nächste Tipp kommt.

Ausflug am Pillersee

Sobald ich mir mein kleines Töchterlein herumgewickelt habe und in die Welt hinausstolziert bin ging es los. Nein, eigentlich schon in der Schwangerschaft. „Isst du eh genug, du bist so schlank, ein paar Knödel würden dir nicht schaden, haha“, ach ja, was habe ich gelacht. Und dann: „Tut das dem Baby schon gut in dem Tragetuch? Du verwöhnst es viel zu sehr. Du springst aber auch echt ständig, sobald es schreit, das merken sie sich und dann haben sie dich in Kontrolle.“ Klar, ein einmonatiges Baby beherrscht die Kunst der Manipulation schon. Sehr intelligent.

„Was du stillst immer noch, gib ihr doch ein Flascherl, dann wird sie in der Nacht nicht so oft wach. Oh du arbeitest schon wieder? Das arme Kind. Eine Mama sollte schon daheim sein.“ Wenn dein Kind einen Wachstumsschub hat und nur dich will, hat es plötzlich eine extreme Mutterbindung (die sich seltsamerweise nach diesem Wachstumsschub wieder löst), wenn ich Urlaub habe bekomme ich zu hören „ah, hat jetzt die Familie mal Vorrang?“ und wenn meine Tochter mit knapp zwei Jahren lernt, aufs Klo zu gehen „ach das wäre toll, wenn das jetzt bald mal klappen würde. (wir sind ja schon so spät dran). Und der Klassiker: „Also jetzt gehört ihr eigentlich eine“. (klar, schlagen, was für ein Armutszeugnis. Mein Kind hatte grad eine Mittelohrentzündung und ist deswegen etwas gereizt und launisch, ich werde sie nicht noch bestrafen dafür.

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Ich habe da immer noch keine dicke Haut bekommen, versuche es aber so sehr. Niemand weiß, was für eine tolle Mama ich bin, denn niemand sieht, wie unser Alltag läuft. Natürlich versage ich auch manchmal als Mama,  auch ich habe meine schlechten Tage oder Momente, in denen mir alles zuviel ist. Aber diese Leute, die treiben mich echt auf die Palme. Welche Methoden habt ihr da entwickelt? Einfach wissend lächeln und weitergehen? Oder schonmal resolut werden und zurechtweisen?

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